Offener Brief der Mitglieder des Französischen Widerstandes an Präsident Hollande

Übersetzung von Joska Die Stimme von Frankreich, der Vereinten Nationen und Russland und ein offener Brief an Monsieur le Président […]

Übersetzung von Joska

Die Stimme von Frankreich, der Vereinten Nationen und Russland und ein offener Brief an Monsieur le Président de la République

Monsieur le Président de la République
Überall in Europa beginnt sich der Faschismus wieder offen zu zeigen, insbesondere in Ländern, die einst von der Sowjetunion vom Faschismus befreit wurden. Dort gehen gegenwärtig wieder sehr potente und dunkle Kräfte mit einer ideologischen Agenda zu Werke, die sich frei aus neonazistischem Gedankengut bedient, und sich im selben Zug das Mäntelchen nationaler Befreiung und territorialer Souveränität umhängt. Innerhalb dieser Kreise und darüber hinaus, bemächtigt man sich der ukrainischen Krise, und beutet sie politisch und diplomatisch aus, um einerseits die Russische Föderation zu unterminieren und andererseits als Vorwand für unzählige Versuche, die unsäglichen Verbrechen des Dritten Reich wieder zu rehabilitieren. Das ist gegenwärtig vor allem in den baltischen Ländern zu beobachten, wo Denkmäler zur Erinnerung an den Sieg über den Faschismus von 1945, oftmals verunstaltet und entweiht werden, bei einer gleichzeitig schleichenden oder offenen Komplizenschaft der betroffenen Regierungen, die nichts dagegen zu unternehmen gedenken.

Die westliche Welt ist keineswegs immun gegen das Überschwappen dieser gefährlichen Entwicklungen. Entgegen seiner historischen Verantwortung, scheint es die Europäische Union unkritischerweise nicht zu stören, politische Bewegungen mit ihren rechtmäßig gewählten Abgeordneten im Kreise des EU-Parlaments zu willkommen zu heißen, die sich selber als Nazis verstehen, und auch dem entsprechend, mehr oder wenig offen agieren.

Angesichts dieser Situation, die zudem noch durch eine sich immer weiter zuspitzende Wirtschaftskrise auf dem alten Kontinent verschärft wird, legt Russland der Generalversammlung der Vereinten Nationen jedes Jahr eine Resolution vor, die eine klare Ablehnung dieses Nationalsozialistischen Gedankengutes und seiner Tendenzen zum Inhalt hat. Diese Resolution lädt die Unterzeichner ein, der “Verherrlichung der Nazis und ihrer Kollaborateure, die mit dem rechten ausgestreckten Arm unter Hakenkreuzfahnen marschieren, und offen zu Fremdenfeindlichkeit und für rassische Überlegenheit hetzen” eine klare Abfuhr zu erteilen.

Leider widersetzen sich die Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada und die Marshallinseln, regelmäßig dem Text und Geist dieser Resolution, und die Europäische Union, Frankreich eingeschlossen, enthalten sich der Stimme, und beschwören somit den katastrophalen Geist von München immer wieder aufs Neue. ‘Opposition und Enthaltungen, werden als taktische Ausflüchte benutzt … der Respekt vor der Meinungsfreiheit wird vorgeschoben, ihre Entscheidungen zu begründen’. Unter dem gleichen Vorwand, blockieren diese Länder die Weitergabe von ähnlichen Entscheidungen im Rahmen der OSZE. Diese Haltung ist erbärmlich und gefährlich, und kann als Signal in Richtung der Faschisten verstanden werden, die somit ungestört mit ihren kriminellen Aktivitäten fortfahren können.

In diesem Jahr wurde der Vorwand, für ein “Nein” oder die ”Stimmenthaltung” aufgrund der ukrainischen Krise und der «Annexion» der Krim vorgenommen. Putin sollte klar gemacht werden, dass der Westen ein expansionistisches Russland nicht dulden würde. Dies diente natürlich nur wieder als Vorwand, denn im November 2013, als sich die ukrainische Krise gerade zu entfalten begann, existierten keine Separatisten mitsamt ihrer Ansprüche in der Ostukraine oder auf der Krim. Die Abstimmung fiel aber gleich aus. Am auffälligsten waren die Ergebnisse zu dieser Resolution in Jahre 2010, obwohl da der russische Präsident Medwedew hieß und, bekannterweise dem Westen viel freundlicher gewogen war.

Die Tatsache, dass die diplomatischen Initiativen der Russischen Föderation zur Frage des Faschismus in der UN mit derartiger Verachtung gewürdigt werden, ist inakzeptabel. Dieses verbietet sich einfach in moralischer Hinsicht angesichts der enormen Zahl der Todesopfer der UdSSR im Zweiten Weltkrieg. Widerstandskämpfer in Europa, und insbesondere in Frankreich, wissen, was sie der Roten Armee zu verdanken haben. Ohne die entscheidenden Siege der russischen Seite über Hitler, hätten die Alliierten weder an der Küste Italiens, noch in der Normandie landen können. Der Kampf für die Freiheit wäre so nicht möglich gewesen. Muss man daran erinnert werden, dass am ‘D-Day’, dem 6. Juni 1944, die Wehrmacht schon überall an der Ostfront am zusammenbrechen war, und Hitler im Begriff war den Krieg zu verlieren? Muss daran erinnert werden, dass ohne die sowjetischen Opfer Frankreich  niemals seine Freiheit wieder erlangt hätte? Muss daran erinnert werden, dass es ohne Moskaus Siege in Stalingrad und Kursk  – die Hauptniederlagen der Nazi Militärs – sich die Welt niemals hätte von Faschismus befreien können, und die Organisation der Vereinten Nationen nie hätte entstehen können?

Wir möchten Sie, Herr Präsident, auch daran erinnern, dass General De Gaulle schon im Frühjahr und Sommer 1942, vergeblich versuchte, die Verbündeten davon zu überzeugen, eine «zweite Front» zu eröffnen. Wäre dem General De Gaulle damals zugehört worden, hätten Millionen von Menschen in der Sowjetunion und in den Konzentrationslagern ihr Leben nicht verlieren müssen. Müssen wir Sie daran erinnern, dass die durch General de Gaulle vorgeschlagene Landung in Frankreich, ersetzt wurde durch eine Landung in Nordafrika. Somit fand auch schon zu dieser Zeit die erste Version eines inzwischen wohl bekannten amerikanischen «Regimewechsel» statt, als die Amerikaner General Giraud anstatt De Gaulle vorzogen.

Frankreich besitzt als Mitglied des Sicherheitsrats der UN ein Vetorecht, und wir dürfen nicht vergessen, was uns die Geschichte mitsamt ihrer Erfahrungen lehrt. Frankreich darf seine Verantwortung in diesem Zusammenhang nicht vergessen, auch aufgrund der historischen Umstände dieser Katastrophe und ihres daraus resultierenden Platz am Tisch der Sieger. Frankreich darf nie vergessen, dass es ohne die Widerstandsbewegung, ohne das Engagement eines General De Gaulles der die Ehre unseres der Landes, wieder herstellte, niemals das diplomatische Gewicht und Prestige erhalten hätte, deren es sich heute erfreuen darf. Folglich ist es eine Pflicht, in der Rückbesinnung auf die leidvollen historischen Umstände, und Erfahrungen des nationalen Widerstandes ( Rat der Resistance), seine Stimme zu erheben, und gehört zu werden.  Frankreich muss seine Stimme erheben im Kampf gegen die Wiedergeburt des Neonazismus, was ohne es extra betonen zu müssen, eigentlich einen Wert an sich darstellen müsste, Werte der Freiheit über die von Ihnen viel zu hören war, als sie sich alle zu den Gedenkfeiern der Landungen in der Normandie und in der Provence versammelten und ihre Reden hielten.

Als Präsident unseres Landes gebührt es Ihnen, die sich immer mehr schuldig machende Vorsicht und Rückgratlosigkeit in der Haltung Europas in dieser Frage zu entlarven, und seine Dürftigkeit in der Außenpolitik zu durchbrechen, damit sie  dem ihm gebührenden Glanz wieder neu erfüllt werden kann.

Folglich verlangen die Unterzeichner dieser Petition von Ihnen, dass Sie, Herr Präsident, im nächsten Jahr, die Unterschrift Frankreichs unter die von der Russischen Föderation eingebrachte UN Resolution gegen Neonazistische Umtriebe setzen werden, und sich Frankreich somit in den Kreis der Völker einreiht die in dieser Sache schon eine klare Haltung gezeigt haben.

Armand Conan, Mitglied der Resistance, Ausschuss des Departements Morbihan

René Jassaud, Mitglied der Resistance, ravitailleur du maquis «Camp Robert» in der Provinz Var

Colette Lacroix, Mitglied des Netzwerkes Resistance, SOE «Piment» in l’Ain

Antoine Payet, Mitglied der Resistance, membre du groupe de St Fons in le Rhône

 

Quelle: http://vineyardsaker.blogspot.co.uk/