Warum wir Hunde lieben und Schweine essen

Warum wir Hunde lieben und Schweine essen

Veröffentlicht: 29/11/2014 14:40 CET Aktualisiert: 29/11/2014 14:40 CET
SCHWEIN

Die Beziehungen zwischen Menschen und Tieren sind vielfältig und widersprüchlich. Während Hunde geliebt und wie Familienmitglieder umsorgt werden, fristenMillionen Schweine in der Massentierhaltung ein trauriges Dasein. Dabei sind Schweine genauso intelligente, empfindsame und soziale Lebewesen wie Hunde.

Es gibt keinen rationalen Unterschied, der die gesellschaftliche Ungleichbehandlung der beiden Tierarten erklären könnte.

Woran liegt es dann, dass wir mit der einen Hand unseren Hund streicheln, während wir mit der anderen ein Schnitzel essen – ohne darüber nachzudenken, dass dieses ebenfalls von einem fühlenden Lebewesen stammt?

Die US-amerikanische Sozialpsychologin Dr. Melanie Joy hat jahrzehntelang zu dieser Frage geforscht. Sie selbst hörte auf Fleisch zu essen, als sie durch einen bakteriell verunreinigten Hamburger an einer schweren Lebensmittelvergiftung erkrankte.

Sie begann sich mit der Frage zu beschäftigen, warum sie die Auswirkungen ihres Fleischkonsums auf Menschen, Tiere und Umwelt so lange hatte ausblenden können. Hierfür fand sie eine einleuchtende Erklärung: Sie hatte es nicht anders gelernt!

Zu Fleischfressern konditioniert

So werden wir von klein auf darauf konditioniert Fleisch zu essen – und zwar nur das Fleisch einiger bestimmter Tierarten. Von den Tieren, die als essbar eingestuft werden, grenzen wir uns psychologisch und emotional ab.

Wir schalten unser Mitgefühl ihnen gegenüber aus. Schweine sind genauso empfindsam wie Hunde. Es gibt keinen rationalen Grund dafür, die einen zu streicheln und die anderen zu essen. Dieses widersprüchliche Verhalten gegenüber Tieren wird durch ein Glaubenssystem beeinflusst, das Dr. Joy „Karnismus” genannt hat.

Gewaltvolles Glaubenssystem

Karnismus ist ein dominantes und gewaltvolles Glaubenssystem. Dominant ist er, weil er unsichtbar und tief in unserer Gesellschaft verwurzelt ist. Er formt unsere Überzeugungen, Handlungen, Gedanken, Normen und Gesetze. Gewaltvoll ist Karnismus, weil Fleisch nicht ohne Töten hergestellt werden kann.

Dominante und gewaltvolle Glaubenssysteme verwenden eine Kombination aus sozialen und psychologischen Verteidigungsmechanismen. Diese bringt Menschen dazu, an Praktiken teilzuhaben, die sie eigentlich ablehnen würden.

Warum wird im Karnismus unser Mitleid den „essbaren” Tieren gegenüber unterdrückt? Weil wir es für normal, natürlich und notwendig halten, dass bestimmte Tiere für unseren Verzehr sterben müssen. Wir haben gelernt, die Welt durch die karnistische Brille zu sehen.

Wir müssen diese Brille abnehmen um wieder freie Entscheidungen darüber treffen können, wie wir mit Tieren umgehen. Ansonsten wird unser eigenes Interesse, an einer gerechten und gewaltfreien Welt mitzuwirken, durch uns selbst untergraben.

Weitere Infos: http://www.Karnismus-erkennen.de

Dr. Melanie Joy ist Harvard-Absolventin und Sozialpsychologin. Sie lehrte Psychologie und Soziologie an der University of Massachusetts Boston und beschäftigt sich seit über zwanzig Jahren mit den Mensch-Tier-Beziehungen. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buches „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. Karnismus – Eine Einführung”. Die von ihr gegründete Organisation, das Carnism Awareness & Action Network (CAAN), hat, gemeinsam mit dem VEBU (Vegetarierbund Deutschland), in diesem Jahr das Projekt „Karnismus erkennen” gestartet. Ziel des Projektes ist es, Menschen im deutschsprachigen Raum über Karnismus zu informieren und für seine Wirkungszusammenhänge zu sensibilisieren.

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